Liturgie

 

Kreuzzeichen während der Wandlung:

Es fällt auf, dass sich immer mehr von euch, liebe Ministrantinnen und Ministranten, während der Erhebung
von Hostie und Kelch beim Hochgebet bekreuzigen. Auch wenn dies sicherlich in bester Absicht geschieht,
möchte ich euch mit diesen Zeilen versuchen zu erklären, warum dieses –für uns als Christen so bedeutsame
Zeichen- hier fehl am Platz ist.
Das sich Bekreuzigen stammt noch aus einer Zeit als die Messe in Latein gelesen wurde, der Priester nach dem
Heilig, heilig den Kanon –so nennt man den Teil, der nun folgt und bis zum Vater unser dauert- mit dem Rücken
zum Volk leise betete und dabei u. a. 20 Kreuzzeichen über die eucharistischen Gaben machte. Nur die Erhebung
von Hostie und Kelch waren für die Gläubigen sichtbar, auf welche durch die Schellen besonders
aufmerksam gemacht wurde und die durch vier Kniebeugen des Priesters unterstrichen wurde.
Üblicherweise haben sich die Gläubigen dabei bekreuzigt, während sie sonst leise für sich feste Gebete gesprochen
haben, wie z. B. Jesus, dir leb ich, Jesus dir sterb ich…
Mit der Einführung der Muttersprache beim Gottesdienst und der dem Volk zugewandten Feier (Volksaltar), wird
das Eucharistische Hochgebet vom Priester und den Gläubigen jetzt im Dialog bzw. gemeinsam vollzogen; der
Priester spricht dabei laut im Namen des ganzen heiligen Volkes und aller Anwesenden.
Die Einsetzungsworte (= Worte, mit denen Jesus die Feier der Eucharistie beim letzten Abendmahl gestiftet
hat) werden durch ein Zeigen der Gestalten von Brot und Wein und durch je eine Kniebeuge hervorgehoben. An
sie schließt sich auf den Zuruf „Geheimnis des Glaubens“ das „Deinen Tod o Herr… als Antwort der
Gemeinde an.
Immer stimmt die Gemeinde mit dem abschließenden Amen in den Lobpreis ein und macht ihn sich zu
Eigen.
Der Segen der Eucharistie liegt in der Gemeinschaft mit dem Herrn, die ihren höchsten Ausdruck im
Empfang der hl. Hostie findet. Die Segensgeste des sich Bekreuzigens macht also während der Erhebung
von Hostie und Kelch keinen Sinn, sondern führt vielmehr zu einer Sinn- und Bedeutungsverschiebung
des gefeierten Glaubensgeheimnisses: denn nicht im Schauen von Hostie und Kelch liegt der Segen der
Eucharistie, sondern im Empfangen der eucharistischen Gaben, die uns engste Gemeinschaft mit
Jesus schenkt.
Ich hoffe, ihr versteht mein Anliegen, denn wenn wir gemeinsam Liturgie feiern, wollen wir es doch so tun,
wie es den einzelnen Teilen und Elementen von ihrem Wesen her zukommt, und nicht zu vergessen ist
unsere Vorbildfunktion als Ministrantinnen und Ministranten, die vielen Gläubigen Orientierung gibt.
 
Euer
Edwin Berner, Diakon

 

Läuten vor dem Hochgebet: